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Es werden Posts vom Oktober, 2008 angezeigt.

Happy Halloween!

Am Wendepunkt der Geschichte

Barack Obama kann als erster Schwarzer US-Präsident werden. Ein Wahlerfolg wäre ein historischer Sieg über eine dunkle Vergangenheit.
Von Reymer Klüver

Erst zu Beginn der Woche sind die irren Pläne zweier durchgeknallter, kurzgeschorener weißer Rassisten in Tennessee bekannt geworden, die offenbar ernsthaft vorhatten, schwarze Schulkinder zu ermorden, und dann - in weiße Smokings gekleidet - Jagd auf Barack Obama zu machen. An einer Uni in Oregon, auf der anderen Seite des Landes, hatten Unbekannte ein paar Tage zuvor eine Pappfigur Barack Obamas mit einer Angelschnur an einem Baum aufgehängt. Und in Pennsylvania kam eine Wahlhelferin der Republikaner in Haft, weil sie einen Überfall eines schwarzen Obama-Gehilfen vorgetäuscht hatte, der ihr als Schandmal ein B in die Wange geritzt haben sollte - B wie Barack.

Am 26. September verstarb mit Paul Newman einer der größten Stars des amerikanischen Kinos

Er wurde 83 Jahre alt. Fast sechzig Jahre stand er im Scheinwerferlicht, acht Mal war er für den Oscar nominiert, 1958 das erste Mal für die Verfilmung von Tennessee Williams' "Die Katze auf dem heißen Blechdach", das letzte Mal 2002 für "Road to Perdition". Zweimal gewann er den Academy Award. Neben der Schauspielerei galt Newmans Interesse dem Motorsport und humanitären Anliegen, die er großzügig aus den Erlösen seiner Saucenserie sponserte. Waren es zunächst sein gutes Aussehen und die blauesten Augen Hollywoods, die auf ihn aufmerksam machten, waren es bald seine Rollen und sein Spiel, durch die er aus der Menge herausstach. Egal ob als Brick in der "Katze auf dem heißen Blechdach", als Henry Gondorff im "Clou", als Butch Cassidy oder als Frank Galvin in "Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" - er überzeugte als trunksüchtiger Sohn, pfiffiger Trickbetrüger, Bankräuber und Rechtsanwalt. In einer Reihe seiner Filme spielte er…

Die Schau "Pablo Picasso - Kreativität und Schaffensdrang" ist vom 16. November bis zum 8. Februar im Clemens-Sels-Museum in Neuss zu sehen

Neuss. Das künstlerische Selbstbild Pablo Picassos (1881-1973) illustriert eine Ausstellung in Neuss "multimedial": Rund 100 Grafiken, 50 Fotografien sowie eine Hörstation mit Zitaten des weltbedeutenden Künstler geben Auskunft über Picassos Selbstverständnis als Künstler.

Die Schau "Pablo Picasso - Kreativität und Schaffensdrang" ist vom 16. November bis zum 8. Februar im Clemens-Sels-Museum in Neuss zu sehen. Ein Teil der Picasso-Fotos, aufgenommen von Dora Maar, Edward Quinn und David Douglas Duncan, sei nie zuvor in einer Ausstellung gezeigt worden.

Der kunsthistorische Bogen spannt sich nach Museumsangaben von den frühen, 1927 geschaffenen Illustrationen einer Balzac-Novelle bis in die 60er Jahre, in denen das von gesteigerter Kreativität angefeuerte Spätwerk des Spaniers entstanden ist.

Die "Triebhaftigkeit" künstlerischen Schaffens wie erotischen Begehrens symbolisiert der Stier in der legendären "Suite Vollard" als Grafikfolge der 30er Jahr…

Irmgard Keun - "Hurra! Hier ist ein Talent"

Mittwoch, 29.10.2008 um 20 Uhr

Irmgard Keuns Romane "Gilgi - eine von uns" (1931) und "Das kunstseidene Mädchen" (1932) bescherten der jungen Autorin nach der Veröffentlichung auf Anhieb enorme Popularität. Bereits ein Jahr später standen sie jedoch als "Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz" auf den Vorläufern der sogenannten "Schwarzen Listen".
Dr. Liane Schüller gibt in ihrem Vortrag einen Überblick über das Leben und Werk von Irmgard Keun, die in ihren Texten zentrale Diskurse ihrer Zeit aufgreift und schließlich im Jahr 1936 aus Deutschland emigrierte. Begleitet wird sie dabei von Claudia Burckhardt, die ausgewählte Passagen aus den Texten und Briefen der Autorin rezitiert.
Dr. Liane Schüller, Jahrgang 1970, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Philosophie.
Heute ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Essener Kolleg für Ge schlechterforschung und Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten sowie Auto…
Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden.
Marie von Ebner-Eschenbach

Krise erfasst immer mehr Staaten – Kommt Plan C?

Von M. Dowideit, J. Eigendorf und V. Unterreiner in der Welt

Was als Immobilienkrise in den USA begann, sich dann in der globalen Bankenwelt wie eine Seuche ausbreitete, erreicht nun souveräne Staaten. Ungarn und die Ukraine wollen jetzt vom Internationalen Währungsfonds gestützt werden. Und auch Euroländer zittern.

Als Dominique Strauss-Kahn im November 2007 an die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) trat, da gab es kaum jemanden, der den früheren französischen Finanzminister um seinen Job beneidete. Das hatte nicht etwa damit zu tun, dass der Ruf des IWF als Feindbild aller Globalisierungsgegner weiter gelitten hätte. Nein, es war viel schlimmer: Der Fonds galt inzwischen als völlig irrelevant, denn dem IWF waren schlichtweg die Kunden weggelaufen. Kaum noch ein Staat weltweit rief nach der Einsatz der Feuerwehrtruppe aus Washington. Zu gut schien es der Weltwirtschaft zu gehen, als dass irgendjemand noch den erniedrigenden Gang nach Washington würde antreten müssen.
Jetzt s…

Der Schriftsteller Erasmus Schöfer und sein Erleben des Jahres 1968

Erasmus Schöfer hat eine große Aufgabe erfüllt - auf vier Bände hatte der in Köln lebende Schriftsteller, 1931 bei Berlin geboren, sein Werk "Die Kinder des Sisyfos" angelegt, in dem er die Geschichte des Aufbruchs der Linken von 1968 bis zu ihrem Zerfall Anfang der 90er Jahre erzählt. Der erste Band "Ein Frühling irrer Hoffnung" ist 2001 zu Schöfers 70. Geburtstag erschienen. In diesem Sommer hat er den vierten Band vorgelegt. Erasmus Schöfer sagt von sich selbst, ein 68er zu sein. Für ihn kam 1968 nicht überraschend, es war, wie er heute analysiert, eher das Ende einer langen Entwicklung, die sich als "plötzlich aufflammender Brand" ausdrückte - für ihn die Begegnung mit glühenden Nazis nach dem Krieg an führender Stelle in seiner Schule, der Debatte um die Wiederbewaffnung in den 50ern, dem Beginn der Ostermärsche, dem Schahbesuch, dem Versuch des Dialogs mit Theaterbesuchern und Fabrikarbeitern.

Wissen im WDR

Die Ausstellung "Diana und Actaeon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit" vom 25.Oktober 2008 bis zum 15. Februar 2009

Rembrandt van Rijn
Diana mit Aktäon und Kallisto, 1634
Öl auf Leinwand, 73,5 x 93,5 cm
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf
Fürst zu Salm-Salm, Museum Wasserburg Anholt

Ausgehend von den Kunstwerken, die sich explizit auf den von Ovid überlieferten Mythos von Diana und Actaeon beziehen, weitet sich der Spannungsbogen der mehr als 300 Werke umfassenden, exklusiv in Düsseldorf gezeigten Ausstellung zu einem in der Kunst aller Epochen gewährten „verbotenen Blick auf die Nacktheit“.
Präsentiert werden über 300 Werke von mehr als 200 Künstlern. Es handelt sich um Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien und Videos aus nationalem und internationalem Museums- und Privatbesitz, die sich in einer einzigartigen Zusammenschau dem sowohl kunst- als auch kulturgeschichtlich interessanten Themenkomplex von Keuschheit und Begehren, von Sehen und Gesehen werden, von Voyeurismus und Exhibitionismus widmen.
Mit Blick auf den mythologischen Ursprung erotischer Kunst zieht die Ausstellung einen weite…
LITERATUR IM FOYER
mit Thea Dorn

Freitag, 24. Oktober um Mitternacht im SWR Fernsehen

VOLKER SCHLÖNDORFF und PETER HÄRTLING
erzählen aus ihrem Leben

Der Kinohandwerker: Volker Schlöndorff

Er war Assistent bei den berühmten
französischen Regisseuren wie Jean Pierre
Melville und Louis Malle. Mit seiner
Verfilmung der "Blechtrommel" war er der
erste deutsche Oscar-Preisträger nach dem
Krieg. Er hat mit den großen internationalen
Stars wie Dustin Hofman, John Malkovich,
Alain Delon, Brigitte Bardot gearbeitet,
und er gilt gleichzeitig als einer, der
sich immer als ein Handwerker verstanden
hat - der deutsche Regisseur Volker
Schlöndorff.

Mit "Licht, Schatten und Bewegung" erzählt
er die Geschichte seines Lebens und seiner
Filme, von seiner frühen Beziehung zu
Frankreich und der französischen Kultur,
den ersten Gehversuchen als Regisseur, den
mühsamen Dreharbeiten zur "Blechtrommel",
die auch im Erfolg nicht vergessen werden,
aber auch den anschließenden Enttäuschungen,
den Misserfolge…

50 Jahre blau

23. Oktober 2008 Am Donnerstag ist er endlich wirklich: der fünfzigste Geburtstag der Schlümpfe und damit jener „Happy Schlumpftag“, der europaweit schon seit dem Frühjahr in den verschiedensten Städten gefeiert worden ist. Ein Jammer, dass der Vater der blauen Comic-Zwerge, der Belgier Pierre Culliford alias Peyo, dieses Jubiläum nicht mehr erleben kann; er starb 1992 in seiner Heimatstadt Brüssel.
Seine bekanntesten Figuren schuf er erst relativ spät, als Dreißigjähriger, der da schon seit einem Dutzend Jahren an seiner Serie „Johan et Pirlouit“ (auf Deutsch: „Johann und Pfiffikus“) arbeitete, die schließlich in dem belgischen Comic-Magazin „Spirou“ abgedruckt wurde. Ihre beiden Titelhelden begegneten am 23. Oktober 1958 zum ersten Mal einem Vertreter jenes originellen Völkchens, das vor allem durch seine seltsame Sprache sofort die Gunst des jugendlichen Publikums von „Spirou“ gewann: „Schtroumpfs“ hießen sie auf Französisch, und weil das auf Deutsch zu sehr nach Textilien geklungen…

Die Wiederkehr der Hexen

Der Literatur-Scharlatan Paulo Coelho bedient die Sehnsüchte seiner Leserinnen nach höherem Sein und Sinn mit einer magischen Minuten-Terrine. Und er verspricht eine Erotik, die wieder Geheimnisse birgt.
Ein Zaubertrank aus Fröschen und Spinnen könnte kaum bitterer schmecken als dieses Machwerk: Mit seinem neuen Roman entlarvt sich Paulo Coelho endgültig als Gaukler.
Die Zutaten des magischen Menüs? Die junge und natürlich rothaarige Irin Brida „möchte Magie lernen”. Von einem Zauberer, der zufällig ihr „Anderer Teil” ist, ihr vorbestimmter Seelengefährte. Dumm nur, dass auch ihr aktueller Freund auf Seelenverwandschaft pocht. Da haben wir also drei statt zwei Hälften und eine alte Geschichte: eine Frau zwischen zwei Männern, diesmal auf Esoterisch.
Bridas zweite Lehrerin ist Wicca – der Einfachheit halber hat Coelho sie gleich mal nach dem Hexenkult benannt. Sie lehrt Brida: „Wir Hexen können mit der Weltseele kommunizieren, das Leuchten über der linken Schulter unseres anderen Teils se…

ZDF feuert Elke Heidenreich

WE

Die Extrem-Schelte von Elke Heidenreich über ihren Sender hat Konsequenzen. Das ZDF hat die Zusammenarbeit mit der Moderatorin mit sofortiger Wirkung beendet. Die beiden für dieses Jahr noch geplanten Ausgaben ihres Büchermagazins "Lesen!" werden nicht mehr produziert.
Heidenreich hatte nach dem TV-Eklat um Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki den Fernsehpreis, das ZDF und Moderator Thomas Gottschalk in einem Zeitungsbeitrag beschimpft. Reich-Ranicki hatte bei dem von Gottschalk moderierten Deutschen Fernsehpreis den Ehrenpreis für sein Lebenswerk auf der Bühne zurückgewiesen und heftige Kritik an den prämierten Beiträgen geübt. Heidenreich hatte daraufhin das deutsche Fernsehen als «jämmerlich», «verblödet» und «lächerlich» kritisiert und an die Adresse des ZDF gerichtet gesagt, «man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten».
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut teilte am Donnerstag in Mainz mit, mit ihren Äußerungen habe Heidenreich «die Ebene einer sachl…

Kann denn Sehen Sünde sein?! Im Rausch der Farben

Verboten, verbrannt, vergessen - Werke der verlorenen Generation

Ein literarischer Schnellkurs an vier Abenden

Bereits am 11. April 1933, fast einen Monat vor der nationalsozialistischen, reichsweiten Bücherverbrennung, wurden vor dem Düsseldorfer Planetarium, der heutigen Tonhalle, in einem symbolischen Akt "dekadentes, undeutsches und zersetzendes Schrifttum" den Flammen "übergeben". Darunter die Werke von Heinrich Heine, Lion Feuchtwanger, Erich Maria Remarque, Arnold Zweig und vielen anderen mehr. Am 10. Mai 1933 folgten die landesweiten Aktionen: Bücher, die den nationalsozialistischen Machthabern so gefährlich erschienen, dass man sie öffentlich verbrannte, wurden anschließend aus Buchhandlungen und Volksbüchereien entfernt. Auch in den Düsseldorfer Volksbüchereien verschwanden rund 26.000 Bücher aus den Regalen. Zum 75. Gedenkjahr möchten wir mit dieser Veranstaltungsreihe an zahlreiche, selten und nie gehörte Namen erinnern; Werke von Autorinnen und Autoren vorstellen, die dem kulturellen Gedächtnis durch die nationalsozi…

aspekte extra: Die Nacht des Blauen Sofas

Das ZDF-Kulturmagazin aspekte ist vom 15. bis 19. Oktober 2008 wieder mit dem "Blauen Sofa" auf der Frankfurter Buchmesse präsent.

Über fünfzig Autoren werde erwartet, darunter Mario Adorf, Kurt Beck, Paolo Coelho, Klaus Harpprecht, Christiane Hörbiger, Zülfü Livaneli, Cem Özdemir, Orhan Pamuk, Claus Peymann, Sven Regener, Cordula Stratmann, Uwe Timm, Ruth Westheimer sowie der Träger des Deutschen Buchpreises 2008.

Enno Stahl "Diese Seelen" Frisch gepresst. Neue Bücher aus Düsseldorf!

Enno Stahl liest "Diese Seelen"

Diese Seelen erzählt Geschichten aus der neoliberalen Wirklichkeit. Der realitätsferne Soziologe Robert rutscht in die Arbeitslosigkeit. Seine Ex-Freundin, die TV-Journalistin Tess, scheitert an ihrer Skrupellosigkeit. Jürgen, ein Junge aus dem Kölner Kleinbürgertum, träumt von der großen Karriere als Tänzer in der Show von Tess, versagt aber auf ganzer Linie. Seine Schwester Mika, Arbeitsvermittlerin, sucht ordentliche Verhältnisse und stürzt in die Katastrophe...

Der 1962 in Duisburg geboren Enno Stahl studierte Germanistik, Philosophie und Italienisch. Er promovierte 1997 und arbeitet für das Heinrich Heine Institut in Düsseldorf. Seit Mitte der 1980er Jahren veröffentlicht er belletristische und wissenschaftliche Bücher und trii auch mit literarischen Performances auf.

Dienstag, 21. Oktober um 18 Uhr - Zentralbibliothek

Literarische Nachlässe in rheinischen Archiven

Literatur-Archiv-NRW

BLOGOVERSARY! CELEBRATING MY 6 MONTHS

Das Philosophische Quartett _ Spielt Dmitri Medwedew russisches Roulette mit Georgien?

Die kriegerische Auseinandersetzung in Georgien hat den Blick der Welt auf Putins und Medwedews Russland ebenso verändert wie Russlands Blick auf den Westen. Das Pulverfass am Kaukasus: Russland zeigt neue Stärke, und der Westen drängt in den ehemaligen Herrschaftsbereich der roten Zaren.

Sind im georgisch-russischen Konflikt Zeichen einer neuen Weltordnung zu erkennen, gar Frontlinien eines Weltkonflikts? Über das gefährliche Spiel um neue alte Machtbereiche sprechen Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski im "Philosophischen Quartett" mit zwei scharfsichtigen Kennern der russischen Verhältnisse: mit dem Historiker und Russland-Experten Karl Schlögel und dem Historiker, Publizisten und Geostrategen Michael Stürmer. Beide kennen die Kontrahenten Putin, Medwedew und Saakaschwili aus eigenen Gesprächen, können die kritische Lage daher mit frischen Erkenntnissen beschreiben.

Rätselhaftes Russland
Weder sind sich die westlichen Mächte darüber einig, wer den Krieg begonnen hat, Russl…
Jakob Philipp Hackert in seinem Atelier, porträtiert von Augusto Nicodemo, 1797

Kunst: Europa, deine Ziegen

Reich-Ranicki bei Gottschalk

Das Aufregendste war im Grunde das Vokabular, mit dem "heute-journal"-Moderator Claus Kleber die nachfolgende Sendung ankündigte: Von DEM "intellektuellen Weckruf der Saison" war die Rede und davon, dass die letzte reizvolle Begegnung von Geist und Unterhaltung die Hochzeit von Arthur Miller und Marilyn Monroe im Jahr 1956 gewesen sei.

Stellt sich nur die Frage, wer bei dem anschließend ausgestrahlten Gespräch zwischen Thomas Gottschalk und Marcel Reich Ranicki den Geist und wer die Unterhaltung repräsentieren sollte. Denn es ging weder geistreich noch unterhaltsam zu.

"Aus gegebenem Anlass" fand dieses Begegnung statt und so lautete auch ihr Titel. Der Anlass war der, dass der Literaturkritiker Reich-Ranicki in der vergangenen Woche für einen Eklat gesorgt hatte, als er vor laufenden Kameras den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ablehnte und noch dazu das Fernsehen beschimpfte.

Einfacher kann man es sich nicht machen; und das Lob folgte prompt von …

Krimiautorin Esmahan Aykol

FAZ

Eine Frau in einer Männergesellschaft, eine Buchhändlerin unter Polizisten und Verdächtigen, eine Deutsche in Istanbul, jüdischer Herkunft in einem muslimischen Land: Das Konfliktpotential, mit dem Esmahan Aykol ihre Krimiheldin Kati Hirschel versehen hat, ist nicht von schlechten Eltern. Sie habe einfach über kulturelle Unterschiede schreiben wollen, erzählt die türkische Autorin, die 1970 an der Grenze zu Griechenland und Bulgarien geboren wurde und heute in Istanbul und Berlin lebt.
Eine Türkin in die deutsche Hauptstadt zu schicken, sei ihr dabei zu langweilig gewesen. Aber eine Deutsche nach Istanbul? Sie müsste freilich türkisch sprechen und bei aller Exotik einen Bezug zur Stadt am Bosporus haben. So kam Esmahan Aykol auf Katis Vater Avraham, der, nach der fiktiven Biographie, als jüdischer Jurist vor den Nazis nach Istanbul geflohen war und dort, bevor er in den Sechzigern auf Drängen seiner Frau doch wieder nach Deutschland zurückkehrte, an der Universität das Institut für …
Doppelausstellung: Richters Abstraktionen

Köln/Leverkusen. Regie führte wohl der reine Zufall: Zeitgleich zur Eröffnung einer Doppelausstellung mit den bedeutenden Abstraktionen des Malers Gerhard Richter im Rheinland kreist in London der Hammer des Versteigerers.
Der fiebernde globale Kunstmarkt erwartet mögliche neue Richter-Rekordpreise deutlich jenseits der 10-Millionen-Dollar-Grenze. Doch es sind nicht die Summen in Dollar, Pfund oder Euro, die die Werke des 76-jährigen Wahlkölners, des begehrtesten deutschen Künstlers der Gegenwart, zu Monumenten der Malerei machen. "Wertvoller" ist der nur schwer zu fassende Gehalt des Richter-Oeuvres, das seit Jahrzehnten in vielen künstlerischen Kehren zwischen frühem Fotorealismus und einfarbig grauen Leinwänden denkend und malend um eine grundsätzliche Skepsis bei der Darstellung von "Realität" kreist.
Zwei ganz auf die wichtige Werkgruppe der Abstraktionen konzentrierte Ausstellungen in Köln und Leverkusen machen (ab komme…

Grass kritisiert Reich-Ranicki scharf

Literaturnobelpreisträger Günther Grass bedauert, dass Marcel Reich-Ranicki in den Medien nach seiner Kritik beim Fernsehpreis als «rohes Ei» behandelt werde und ihm Kritik erspart bleibe.

Günter Grass: Reich-Ranicki kritisiert sich selbst

Der letzte Fachbesuchertag auf der Frankfurter Buchmesse war ein Tag der klaren Worte. Der deutsch-türkische Autor Feridun Zaimoglu schimpfte am Freitag über den Auftritt des Ehrengasts Türkei, Nobelpreisträger Günter Grass echauffierte sich über die TV-Tirade von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und Musikproduzent Dieter Bohlen mokierte sich über den mangelnden Bildungswillen der Jugend. Nicht geschimpft hat der ehemalige SPD- Chef Kurt Beck - er sagte seinen Auftritt kurzfristig ab.
Der Freitag war aber auch der Tag der Preisträger. Der Maler und Bildhauer Anselm Kiefer, der am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommt, stellte sich den Fragen der internationalen Presse. Junge Zeichner erhielten den Deutschen Cartoonpreis, und…

Aravind Adiga "The White Tiger"

Times Mager: Tigerglück

VON INA HARTWIG

Kaum war der Deutsche Buchpreis an Uwe Tellkamp feucht-fröhlich verkraftet, da ging es gleich weiter. Am Dienstagabend um 22 Uhr 30 konnte im Frankfurter Hof per Satellitenübertragung die Preisverkündung des Man Booker verfolgt werden: Das war praktisch, denn in dem feinen Hotel dürften sich zu diesem Zeitpunkt um die 500 Buchmessegäste zum traditionellen Empfang des Berlin Verlags gedrängelt haben.
Nun wussten alle subito: Der Glückliche ist der englischsprachige Inder Aravind Adiga, ein strahlender Mann von 33 Jahren. Sein Roman "The White Tiger" erhält also den begehrtesten Literaturpreis Großbritanniens, der gern als Vorbild für den Deutschen Buchpreis zitiert wird, jedoch bei der Preissumme weit, weit generöser verfährt: 50 000 Pfund, etwa 64 000 Euro, kann Mister Adiga mit nach Hause nehmen - während Uwe Tellkamp mal gerade 25 000 Euro bekommen hat und nun auf tüchtige Verkäufe seines Romans "Der Turm" hoffen muss und soll…

Nach dem dritten TV-Duell

Es wird immer klarer: Wenn nicht noch Unvorhergesehenes geschieht, wird Barack Obama der nächste US-Präsident - auch weil sein Gegner politischen Selbstmord begangen hat.

Ein Kommentar von Reymer Klüver
So nicht. Auch die letzte der drei Fernsehdebatten hat nichts an der grundlegenden Dynamik des amerikanischen Präsidentschafts-wahlkampfs geändert. John McCain, der Republikaner, wird seinen Rückstand kaum mehr wettmachen, selbst mit einem Schmierenwahlkampf nicht.
Barack Obama dürfte gewinnen. Wenn nicht noch Unvorhergesehenes passiert -ein unbegreiflicher Fehler des Kandidaten, ein Terroranschlag, die wundersame Erholung der Wirtschaft über Nacht - stehen die USA vor der Zeitenwende: Die Amerikaner werden der Welt beweisen, dass ihr Land noch immer die Kraft zur Selbsterneuerung hat, auch oder gerade in der Krise.
Gewiss, es sind noch zweieinhalb Wochen bis zum Wahltag. In der Politik ist das eine halbe Ewigkeit, in Präsidentschaftswahlkämpfen eine ganze. Viel kann da noch passieren. Ob…

Was geschah an jenem 14. März 1950?

FAZ

Der Polizeivermerk

Der Gesuchte traf um 20 Uhr ein

Bezirkspolizeiwache 6 Abteilung II Prag 6

Prag, am 14. 3. 1950

Vermerk:

Am heutigen Tag um 16 Uhr kam zur hiesigen Abteilung der Studierende Milan Kundera, geboren am 1. 4. 1929 in Brünn, wohnhaft in Prag 7, Studentenkolleg, König-Georg-Straße 6, und zeigte an, dass in diesem Kolleg die Studentin Iva Militká wohnt und dass sie dem Studenten Dlask aus demselben Wohnheim erzählt habe, dass sie an diesem Tag in Prag-Klarov einen Bekannten getroffen habe, einen gewissen Miroslav Dvoracek. Dieser soll ihr einen Koffer zur Aufbewahrung gegeben haben, den er am Nachmittag des 14. 3. 1950 abholen werde. Aufgrund dieser Meldung begab sich Oberwachtmeister Rosicky gemeinsam mit Wachtmeister Hanton an den Ort, wo sie den Koffer untersuchten, in dem sich 2 Hüte, 2 Paar Handschuhe, 2 Sonnenbrillen und eine Cremedose befanden. Nach der Angabe der Militká sei Dvoracek von der Armee desertiert und habe sich vielleicht seit Frühjahr vorigen Jahres in De…

Else Lasker-Schüler ~ Literatur-Tagung in Wuppertal vom 22. bis 26. Oktober 2008

Literatur-Tagung Wuppertal: Tote Dichterin kehrt wieder

Die 1945 im Exil in Jerusalem gestorbene Dichterin Else Lasker-Schüler kehrt als Bühnenfigur in ihre Heimatstadt Wuppertal zurück. Ein Theaterstück über die expressionistische Lyrikerin steht unter dem Titel "Stiefmutterland" auf dem Programm des diesjährigen Else-Lasker-Schüler-Forums in Wuppertal, teilten die Veranstalter am Dienstag mit.
Bei der vom 22. bis 26. Oktober dauernden Literatur-Tagung, die auch an das 60- jährige Bestehen Israels erinnern will, sollen Fragen des literarischen Exils zwischen der NS-Zeit und der Gegenwart diskutiert werden, sagte der Vorsitzende der Lasker-Schüler-Gesellschaft, Hajo Jahn. Den Auftakt bilde ein Gespräch zwischen dem israelischen Schriftsteller Asher Reich und dem im Exil lebenden iranischen Autoren Said.
Die beiden Ex-Botschafter Avi Primor (Israel) und Rudolf Dressler (Deutschland) treffen sich bei der Tagung zur Diskussion über die Friedensaussichten in Nahost. Gedichtvertonun…

Aravind Adiga ist der diesjährige Träger des Man-Booker-Preises, der renommiertesten Auszeichnung des britischen Literaturbetriebs

Aravind Adiga ist der diesjährige Träger des Man-Booker-Preises, der renommiertesten Auszeichnung des britischen Literaturbetriebs. Der 1974 in Madras geborene Schriftsteller wird für seinen Erstlingsroman „Der weiße Tiger“ geehrt. Darin zeichnet er mittels seines gewieften Helden, der es aus der Gosse zum Unternehmer bringt, ein Bild der zwei Gesichter Indiens: des boomenden und des elenden. Überzeugt, dass „die Zukunft der Welt beim gelben Mann und beim braunen Mann liegt“, nachdem sich „unser ehemaliger weißhäutige Gebieter zugrunde gerichtet hat“, wendet sich Balram Halwai an den chinesischen Ministerpräsidenten. In einer Reihe von witzigen sarkastischen Briefen erzählt der Sohn eines Rikschafahrers seine Lebensgeschichte.

Als Favorit war der dreiundfünfzig Jahre alte Ire Stephen Barry mit „The Secret Scripture“ (Die heimliche Schrift) gehandelt worden. Der poetische, den Singsang der irischen Sprache vermittelnde Roman erzählt von einer fast Hundertjährigen, die aus fadenscheinige…

Das ZDF strahlt am Freitagabend um 22.30 Uhr unter dem Titel "Aus gegebenem Anlass" ein Gespräch Gottschalks mit Reich-Ranicki über seine Anliegen aus

Der 88-jährige Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki kritisierte das Niveau der TV:

“Ich gehöre nicht in die Reihe dieser Preisträger…Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet. Ich finde es schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste. Diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben.” Und er legte nach: “Wäre der Preis mit Geld verbunden, hätte ich das Geld zurückgegeben. So kann ich nur diesen Preis zurückgeben.” Sein Statement zum allgemeinen Zustand des deutschen Fernsehen: Es gebe zwar ab und an gute Sendungen bei Arte, aber selbst 3sat sei nicht mehr das, was es mal war.”

Die 60. Internationale Buchmesse wird heute, Dienstag, um 17.00 Uhr in Frankfurt am Main eröffnet

Buchkatalog zur Frankfurter Fastenmesse 1573

Die 60. Internationale Buchmesse wird heute, Dienstag, um 17.00 Uhr in Frankfurt am Main eröffnet. Bei der Feier spricht als Vertreter der deutschen Bundesregierung Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Als Repräsentant des diesjährigen Ehrengastes - Türkei - kommt der türkische Staatspräsident Abdullah Gül. Auch der Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk wird sprechen.

Frankfurter Buchmesse: Steinmeier und Gül eröffnen 60. Messe
Uwe Tellkamps DDR-Epos "Der Turm" ist der "Roman des Jahres". Dem 39 Jahre alte Autor wurde in Frankfurt der Deutsche Buchpreis 2008 für die beste deutschsprachige Neuerscheinung des vergangenen Jahres zuerkannt. In seinem fast 1000 Seiten langen Epos entwirft Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR. Der gebürtige Dresdner schildert am Beispiel des Bildungsbürgertums seiner Heimatstadt die letzten sieben Jahre der zerfallenden Republik. "Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR", begründete die Jury ihre Auszeichnung.

Deutscher Buchpreis für Uwe Tellkamps "Der Turm"

Paul Krugman erhält den Wirtschafts-Nobelpreis

Paul Krugman (55) lehrt an der Princeton University und ist einer der bedeutendsten und populärsten Volkswirte der USA.

Sein neuestes Buch "Nach Bush" (Campus-Verlag) ist ein Plädoyer für eine radikale Umverteilung zu Gunsten der unteren Einkommensklassen. Dabei stützt sich der bekennende Demokrat nicht nur auf politische Überzeugungen, sondern auch auf handfeste ökonomische Argumente.

US-Wissenschaftler: Wirtschaftsnobelpreis für Paul Krugman

Milan Kundera ~ Verrat in Zeiten des Kommunismus

Das Buch des Verrats in den Zeiten des Kommunismus ist um ein Kapitel reicher: Im März 1950 hat der Schriftsteller Milan Kundera, damals Student in Prag, einen Aktivisten des antikommunistischen Widerstandes angezeigt. Das Opfer, der damals 22 Jahre alte Miroslav Dvoek, wurde festgenommen und zu 22 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe gefordert.
Milan Kundera zählte in den sechziger Jahren zu den prominentesten Weggefährten des Reformkommunismus. Nach der sowjetischen Besetzung der Tschechoslowakei erhielt er 1970 Schreibverbot. Er emigrierte nach Frankreich, wurde ausgebürgert und nahm die französische Staatsbürgerschaft an. Kundera gehört zu den großen Schweigern der zeitgenössischen Literatur. Interviews gewährt er äußerst selten, und auch dann beantwortet er nur schriftliche und keine persönlichen Fragen. In die Tschechische Republik reist er selten und nur anonym. Diese Verschlossenheit wurde bisher seinem Charakter und seiner Medienscheu zuge…

Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki hat den Preis für sein Lebenswerk abgelehnt und vor laufender Kamera Kritik am deutschen Fernsehen geübt

Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises ist es zu einem Eklat gekommen: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat den Ehrenpreis der Stifter zurückgewiesen. „Ich nehme diesen Preis nicht an“, erklärte der 88-Jährige am Samstagabend überraschend vor den geladenen Gästen in Köln.
Vielleicht hätte er dies früher sagen müssen, gestand er ein, aber: „Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet.“ Er fügte hinzu: „Ich finde es auch schlimm, dass ich das erleben musste.“
Moderator Thomas Gottschalk hatte Reich-Ranicki bei der Aufzeichnung der Preisverleihung in seiner Laudatio zuvor als einen faszinierenden Menschen gewürdigt, der Großes für das Fernsehen geleistet und Großes gesagt habe. Der 88-Jährige wollte die Auszeichnung für sein Wirken jedoch nicht annehmen. Er habe viele schöne Fernsehabende, zum Beispiel bei „Arte“, verbracht: „Aber nicht diesen Blödsinn.“ Auch früher hätte er diesen Preis abgelehnt und - wenn damit Geld verbunden gewesen wäre - den Betrag nicht angenommen.

Waldfrieden - Tony Cragg und sein Skulpturenpark

Skulpturenpark in Wuppertal

Das Tor zum Anwesen ist weit offen. "Kurt Herberts" steht auf dem verwitterten Schild an der Mauer. Dann geht es durch den Wald, über zahlreiche Schlaglöcher die Serpentinen hinauf. Und noch ein Tor. Vorbei an einem verwahrlosten Gärtnerhäuschen. Hinter der nächsten Kurve steht sie ganz überraschend vor uns - die weiße Villa mit den runden Ecken. Ein bisschen marode schaut sie aus und ziemlich leer. Kurt Herberts, der Fabrikant mit der anthro-posophischen Vorliebe, wohnt schon lange nicht mehr hier. Der neue Besitzer des Geländes heißt Tony Cragg und ist Bildhauer. Wir befinden uns mitten in Wuppertal, Craggs Wahlheimat seit dreißig Jahren. Genauer: Am Südhang der Stadt, oberhalb des Flusses, an der Grenze zwischen Barmen und Elberfeld. Hier will der gebürtige Brite einen Skulpturenpark entstehen lassen. Hier, in dieser landschaftsgeschützten, 15 Hektar großen Urwüchsigkeit. Jahrzehntelang hat sich niemand um dieses verwunschene Gelände gekümmert. …

Martti Ahtisaari, der Friedensnobelpreisträger dieses Jahres war von März 1994 bis Februar 2000 Staatspräsident Finnlands

Der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari erhält den Friedensnobelpreis 2008. Das Nobelkomitee in Oslo begründete die Entscheidung mit seinem jahrzehntelangen Einsatz als Vermittler bei der Lösung von Konflikten. Der Finne habe in den vergangenen 20 Jahren bei Anstrengungen zur Lösung mehrerer ernster Auseinandersetzungen mitgewirkt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte Ahtisaari als einen langjährigen Kollegen bei den Vereinten Nationen und einen Partner in Sachen Frieden und Menschenrechte.

Wer bin ich für dich, nach soviel Jahren

Im Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan erwacht die Lebens- und Literatur-Geschichte zweier der bedeutendsten Autoren der Nachkriegszeit neu – und entrollt ein kulturelles Panorama mit finsteren Zügen

VON FRAUKE MEYER-GOSAU

Neun Gebote stehen am Anfang, und sie sind ein Geburtstagsgeschenk: Der 27-jährige Lyriker Paul Celan aus Czernowitz widmet der Philosophiestudentin Ingeborg Bachmann aus Klagenfurt zu deren 22. Geburtstag ein Gedicht. «In Ägypten» heißt es, ist datiert auf den 23.Mai 1948 und fixiert die Paragrafen des Gesetzes, unter dem er ihrer beider Liebesbeziehung
sieht: «Du sollst zum Aug der Fremden sagen: Sei das Wasser! / Du sollst, die du im Wasser weißt, im Aug der Fremden suchen. / Du sollst sie rufen aus dem Wasser: Ruth! Noemi! Mirjam! / Du sollst sie schmücken,wenn du bei der Fremden liegst. / Du sollst sie schmücken mit dem Wolkenhaar der Fremden. /Du sollst zu Ruth, zu Mirjam und Noemi sagen: Seht, ich schlaf bei ihr! /Du sollst die Fremde neben dir am …