Der Japaner Osamu Shimomura und die Amerikaner Martin Chalfie und Roger Y. Tsien haben eines der wichtigsten Werkzeuge der Biowissenschaften entdeckt



Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an die US-Amerikaner Martin Chalfie, Roger Tsien und den Japaner Osamu Shimomura. Sie haben das grünlich leuchtende Protein einer Qualle zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Biologie gemacht. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.
Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet einer Million Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.
Mit dem Protein können viele Zellen sichtbar gemacht werden, um ihre Entwicklung im Körper verfolgen zu können. Das leuchtende Protein kann per DNA-Technologie an Proteine gekoppelt werden. Auf diese Weise können Forscher die Interaktion und Bewegung der ansonsten unsichtbaren Proteine verfolgen und etwa die Verbreitung von Krebszellen studieren. Diese ungiftige Leuchtmarkierung ist inzwischen ein leicht anzuwendendes Standardwerkzeug der Biologie - Hunderttausende Resultate gehen darauf zurück.
Shimomura hatte das GFP erstmals Anfang der 60er Jahre in der Qualle Aequorea victoria isoliert und entdeckt, dass das Protein unter ultraviolettem Licht grün leuchtet. Shimomura arbeitet als emeritierter Professor am Marine Biological Laboratory (MBL) in Woods Hole sowie an der medizinischen Fakultät der Boston University.
Chalfie wies nach, welche Bedeutung dem GFP als genetischem Marker zukommt. In einem seiner ersten Experimente färbte er mit Hilfe des grün fluoreszierenden Proteins sechs einzelne Zellen in einem Fadenwurm. Der 1947 geborene Chalfie ist Professor für Biologie an der Columbia University in New York.
Tsien trug maßgeblich dazu bei, die fluoreszierende Wirkung von GFP nachvollziehbar und verständlich zu machen. Außerdem schuf er andere Fluoreszenzfarbstoffe, die es Wissenschaftlern erlauben, verschiedene Proteine oder Zellen verschieden farbig zu markieren. So können die Forscher mehrere biologische Prozesse gleichzeitig verfolgen. Der 56-jährige Tsien ist Professor an der University of California in San Diego.
Im vergangenen Jahr hatte der Deutsche Gerhard Ertl die Auszeichnung bekommen. Er wurde für die genaue Untersuchung chemischer Reaktionen an festen Oberflächen geehrt. Diese Prozesse laufen unter anderem im Autokatalysator ab.
Am Dienstag hatte die Akademie den Physik-Nobelpreis für bahnbrechende Erkenntnisse zur Existenz des Universums an die Physiker Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) vergeben.
Der diesjährige Medizin-Nobelpreis war am Montag dem Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen zuerkannt worden. Er entdeckte, dass Viren den gefährlichen Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Er teilt sich die Auszeichnung mit den Franzosen Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi, die das Aidsvirus entdeckten.
Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.
Die unabhängige Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften wurde 1739 gegründet und vom Preisstifter Nobel für die Verleihung der Auszeichnungen in den Bereichen Physik und Chemie auserkoren.
Seit 1969 bestimmt die Akademie auch den Empfänger des von der Schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschafts-Nobelpreises. Der Akademie gehören 350 Schweden und 164 Mitglieder aus anderen Nationen an.
Der Chemiker und Industrielle Nobel (1833-1896) hatte in seinem Testament festgelegt, dass alljährlich fünf Preise an Persönlichkeiten verliehen werden, "die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben". (dpa/ddp/dda)

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