Der verbotene Blick auf die Nacktheit ~ Erotik und Sinnlichkeit im Mittelpunkt künstlerischen Schaffens

Lucas Cranach 1530

In der heutigen Zeit sind nackte Modelle für die international bekannten Künstler etwas ganz Normales. Das war nicht immer so! Nacktheit in der Kunst ist seit Jahrhunderten eine Geschichte des "verbotenen Blicks". In der griechischen Mythologie konnte der Blick eine Mannes auf einen unverhüllten weiblichen Körper sogar tödliche Folgen haben.
Ob bei Caravaggio, Courbet, Klimt oder Picasso - über Jahrhunderte stehen Erotik und Sinnlichkeit im Mittelpunkt künstlerischen Schaffens und führen bis heute zu Verboten und Skandalen.
Erotik, Exhibitionismus, Nacktheit und Voyeurismus - Filmemacher Werner Raeune nähert sich dem Thema "verbotene Blicke" unter verschiedenen Blickwinkeln.

Mythologie als Vorwand für die Nacktheit?
Verbotene Blicke können zu Skandalen führen, sogar todbringend sein: Im antiken Mythos überraschte der Jäger Actaeon die nackte Diana beim Baden. Zur Strafe verwandelte die Göttin der Jagd den Voyeur in einen Hirsch, der danach von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde. Ein Bildthema, das Künstler über Jahrhunderte immer wieder zu Darstellungen mit unterschiedlichsten Auslegungen inspirierte. Am Thema "Diana und Actaeon" lässt sich der Wandel der Moral, aber auch die Entwicklungsgeschichte der Kunst von der Antike, über Renaissance, Manierismus, Barock und Klassizismus bis in die Gegenwart anschaulich nachvollziehen.

Nacktheit wird als paradiesische Vorstellung zur Kunst
Seit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden haben sich Maler wie Lucas Cranach oder Brueghel nach dem verlorenen irdischen Paradies verzehrt. Die exotischen Nackten, die Paul Gauguin um die Jahrhundertwende während seiner Aufenthalte auf Tahiti malte, haben nicht nur die Kunst, auch unsere Moralethik entscheidend verändert. Die Bilder des Vorreiters der Moderne gelten heute als Synonym für ein Paradies auf Erden, das vornehmlich durch unbekleidete Eingeborene geprägt ist. Doch die Paradiesvorstellung, die den Maler in die Südsee lockte gab es in der Wirklichkeit gar nicht mehr. Christliche Missionare hatten den Maoris Kleider verordnet. Gauguin half der Wirklichkeit gegen Bezahlung ein wenig nach. Seine Fakes von unverhüllten Südseeschönheiten erfüllten die exotischen und erotischen Erwartungen daheim. Schriftsteller und Filmregisseure erhoben seine Tahiti-Motive der unschuldigen Nackten zum Stoff, aus dem Legenden gemacht werden.

Frauen, die wissen, was Sex ist Vom Eros gepeinigt, malten die berühmt-berüchtigten Malerstars der Wiener Kunstszene Gustav Klimt und Egon Schiele um die Jahrhundertwende Nackte gleich serienweise. Inspiriert waren sie von Auguste Rodin, dessen laszive Nackten mit ihren sich spreizenden Schenkeln der unmittelbare Ausdruck für Erotik waren. Es ging ihnen vor allem um die drastische Darstellung des nackten Körpers in ungewohnten Perspektiven. Bei den Modellen handelte es sich nicht um verführerischen Traumfrauen aus der Mythologie. Ihre Frauen stammten aus dem Alltag der modernen Stadt. Sie wirken eher traumatisch, einsam, verzweifelt und widersprüchlich und sie wissen, was Sex ist.

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