Einer der großen Außenseiter der Moderne in Bonn


Im Dezember 1917 wird in der angesehenen Pariser Galerie Berthe Weill die erste Einzelausstellung mit Werken des 33-jährigen Amedeo Modigliani eröffnet. Noch während der Vernissage muss das im Schaufenster ausgestellte Aktbild wegen seiner als skandalös empfundenen Freizügigkeit abgehängt werden.
Modigliani verkauft im Laufe der Ausstellung zwei Zeichnungen zu jeweils 30 Francs. Zwei Jahre später, im Januar 1920, stirbt der Künstler, seine hochschwangere Geliebte Jeanne Hébuterne stürzt sich am folgenden Tag im Hause ihrer Eltern aus dem Fenster.
Wie bei nur wenigen anderen Künstlern ranken sich um Modiglianis Vita die Anekdoten, Legenden und Mythen: Über seine Herkunft aus einer bürgerlich-jüdischen Familie in Livorno, über die Krankheiten, die ihn von Kindheit an begleiten, über das Leben als Bohemien in Paris mit Literatur und Künstlerfreunden wie Picasso, Brancusi und Rivera, über seinen Alkohol- und Haschisch-konsum, seinen frühen Tod und den Selbstmord seiner Lebensgefährtin.
War Modigliani zu Lebzeiten arm und fast ausschließlich bei Künstlerkollegen als hochbegabter Maler anerkannt, so setzte der allgemeine Ruhm posthum beinahe über Nacht ein. Die Preise für seine Werke schnellten in die Höhe, ebenso die Zahl der schon früh auf den Markt gebrachten Fälschungen. Zahllose Reproduktionen seiner liegenden Akte, Romane und Filme über seine turbulente Biografie brachten Modigliani ins kollektive Bewusstsein.
Sich dem Sog der Klischees zu entziehen und ihnen eine nüchterne Betrachtung gegenüberzustellen, gelingt selten. Einen neuerlichen Versuch, dem Werk eines der großen Außenseiter der Moderne gerecht zu werden, unternimmt Christoph Vitali nun in der Bundeskunsthalle.



Kunsthalle Bonn: Nadelöhr von der Kunst zur Mode

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