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Es werden Posts vom Januar, 2015 angezeigt.

Camille Pissarro in Wuppertal

"Vater des Impressionismus" ist Camille Pissarro des öfteren genannt worden und angesichts seines mächtigen Rauschebartes könnte man ihn sogar spontan für den Gottvater dieses Stils halten: aber auch die anderen Impressionisten, Monet, Sisley, Renoir, Degas, Cézanne, trugen – entsprechend der Mode ihrer Zeit – Bart. Pissarro war zwar rund zehn Jahre älter als Sisley, Monet, Renoir und Cézanne, aber der Altersunterschied führte keineswegs zu einem Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen den Künstlern, vielmehr bestand das künstlerische Leben des "Impressionisten-Kreises" aus einem Geben und Nehmen, einem Prüfen und Verwerfen von Ideen. Jeder dieser "Künstler-Rebellen" leistete auf seine Weise einen Beitrag zur Moderne. Nach den Ausstellungen zur Schule von Barbizon, zu Renoir, Monet und Sisley stellt das Von der Heydt- Museum jetzt Camille Pissarro in den Mittelpunkt einer großen Ausstellung. Anhand von rund 130 Werken zeichnen wir den Lebensweg und die küns…

Zum Leuchtturm

Doch was habe ich aus meinem Leben gemacht? dachte Mrs Ramsay, als sie am Kopf der Tafel Platz nahm und auf all die Teller blickte, die weiße Kreise darauf bildeten. "William, setzen Sie sich neben mich", sagte sie. "Lily" sagte sie müde "dort drüben". Sie hatten das andere —  Paul Rayley und Minta Doyle —, sie nur dies - eine unendlich lange Tafel und Teller und Messer. Am anderen Ende war ihr Mann, der sich, zusammensackend, gerade stirnrunzelnd setzte. Stirnrunzelnd weshalb? Sie wußte es nicht. Es war ihr auch gleichgültig. Sie begriff nicht, wie sie je irgendein Gefühl oder irgend welche Zuneigung für ihn hatte hegen können. Sie hatte das Gefühl, alles hinter sich zu haben, alles überstanden zu haben, außerhalb von allem zu stehen, während sie die Suppe austeilte, als gäbe es einem Strudel —  dort —  und man könnte sich innerhalb befinden oder außerhalb, und sie war außerhalb. Es ist alles an einem Ende angelangt, dachte sie, während sie, einer nac…

EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT

Ein Tag einer Familie in den Vereinigten Staaten Amerikas im Jahre 1912: der Vater, ein Schauspieler, seine Frau und die Söhne Jamie und Edmund. Die Familie leidet unter dem unvorstellbaren Geiz des Vaters, dem selbst seine nächsten Angehörigen zum Opfer fallen. Die drei Männer sind Alkoholiker, die Mutter Morphinistin, ihre gemeinsame Welt eine Hölle, in der alle voneinander abhängig sind, ein Entkommen scheint unmöglich. O'Neills Stück ist stark autobiografisch, er notiert die Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend und beschreibt eine Realität, die von Rausch und Gewalt bestimmt ist. Und dennoch vermag er auch die bittere Komik dieser Situation anzudeuten, die der Tragik des Geschehens entspringt. Nichts, meinte Beckett, sei komischer als das Unglück.