Günter Grass: Die Box ~ Dunkelkammergeschichten

Günter Grass nimmt den Faden seiner autobiografischen Gedanken ein zweites Mal auf. Jetzt erscheint "Die Box", der zweite Teil seiner Lebenserinnerungen. Als Günter Grass "Beim Häuten der Zwiebel" herausgebracht hat, wurde weniger über die literarische Qualität des Buches diskutiert als über die darin enthüllte SS-Mitgliedschaft des Literaturnobelpreisträgers.
Schon im Vorfeld des Erscheinens des neuen Buches in einer Startauflage von 150000 Exemplaren hatte Neugierde geherrscht, ob Grass wie in seiner vor zwei Jahren Schlagzeilen machenden Jugend-Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» bislang Unbekanntes aus seinem Leben preisgeben würde - wie seine Zeit bei der Waffen-SS kurz vor Kriegsende als 17-Jähriger. Wer einen neuerlichen Skandal erhofft oder befürchtet hat, wird enttäust.
Das neue Buch von Günter Grass umfasst den Zeitraum Ende der fünfziger Jahre bis Erscheinen des Romans "Ein weites Feld", 1995. Darin spielt eine Fotokamara eine entscheidende Rolle.
Die Box ist immer dabei, wenn die Kinder über ihren Vater plaudern. Es ist eine Kastenkamera der Firma Agfa, die Anfang der dreißiger Jahre auf den Markt gekommen war. Ihre Besitzerin stammt aus Masuren, heißt "Mariechen" und erzählt - oder besser: jemand erzählt nach ihrem Tod, was sie einst erzählte - gleich auf den ersten Seiten, wie sie und ihr Mann, der Fotograf Hans, in Berlin ausgebombt wurden und vom Fotoatelier nichts übrigblieb: "Das ganze Archiv verschmurgelt. Die Lampen nur noch Schrott. Nur die Box blieb übrig, weiß nicht, warum."

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