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Live aus Avignon – Kasimir und Karoline

Chauffeur Kasimir besucht mit seiner Verlobten Karoline das Münchner Oktoberfest. Er möchte sich zwar amüsieren, doch da er gerade seine Arbeit verloren hat, ist ihm nicht nach Feiern zumute. Er fürchtet, Karoline könnte ihn verlassen, wenn sie erfährt, dass er mittellos ist. Doch Karoline ist von diesem Mangel an Vertrauen in ihre Beziehung schockiert und überlässt sich dem Trubel des Festes. In einem Verlangen nach Leichtigkeit sucht sie die nur scheinbar folgenlose Provokation. Das großartige Werk "Kasimir und Karoline" von Ödon von Horváth, eines der beliebtesten Stücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist eine Sozialkritik von bestechender Intelligenz. Die ausgelassene Atmosphäre des Festes steht in offensichtlichem Kontrast zu dem Liebesdrama. Trotz ihrer Liebe gelingt es Kasimir und Karoline nicht, sich von ihrem Milieu zu befreien. Horváth selbst sagte über seinen Text: "Es ist eine Ballade voll stiller Trauer, gemildert durch Humor, das heißt durch die alltägliche Erkenntnis Sterben müssen wir alle!" Horváths Liebesdrama spielt in den wirtschaftlich unsicheren 30er Jahren, an einem Ort, an dem sich Arm und Reich begegnen, wo der Arbeitslose den Angestellten, der Direktor den Kleinganoven trifft. Auf diesem schmalen Grat bewegen sich Horváths vom Fest berauschte Figuren unaufhörlich. Das Duo Johan Simons und Paul Koek vom NTGent gehören einer der renommiertesten Theater der Niederlanden an. Unter ihrer Leitung wird "Kasimir und Karoline" zu einem Musiktheater voll schauspielerischem Elan. Das Stück wird in französischer Sprache im Ehrenhof des Papstpalastes in Avignon aufgeführt, wo die Theatertruppe bereits in den vergangenen Jahren mit der Erfolgsproduktion "Zwei Stimmen" und der Visconti-Adaption "Der Fall der Götter" - ebenfalls mit Kompositionen von Paul Koek - zu Gast war.
Es wird als eines der Stücke zur aktuellen Finanzkrise gehandelt: Horváths todtraurig-lustige Ballade über den arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seine Braut Karoline. Vor der ausgelassenen Kulisse einer Kirmes erzählt Ödön von Horváth ursprünglich vom Leid des kleinen Mannes in den wirtschaftlich unsicheren 30er Jahren. Johan Simons und Paul Koek vom NTGent setzen den gegenwartsnahen Text als energiegeladenes Musiktheater von heute in Szene. ARTE überträgt die Aufführung am 29. Juli, dem letzten Tag des Theaterfestivals von Avignon, live aus dem Ehrenhof des Papstpalastes.

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