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Ehrendoktor der Humboldt-Uni für Wolf Biermann

Zu DDR-Zeiten wurde dem politisch unbequemen Liedermacher Wolf Biermann das Diplom für Philosophie vorenthalten, jetzt übt die Humboldt Universität in Berlin späte Wiedergutmachung: Der 71-Jährige erhält die Ehrendoktorwürde und zudem - mit 45 Jahren Verspätung - seine Diplomurkunde.

Es gehe nicht allein darum, die Lebensleistung Biermanns zu würdigen, «es ist auch ein Akt der Wiedergutmachung», sagte HU-Sprecher Thomas Richter der dpa und bestätigte damit einen Bericht der «Berliner Morgenpost». Die Humboldt-Universität habe ihrem Studenten Biermann 1963 sein Diplom für Philosophie trotz erfolgreicher Prüfungen aus politischen Motiven vorenthalten. Am 7. November werde Biermann bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde auch seine Diplomurkunde überreicht.

Der Büchner-Preisträger Biermann studierte an der HU Politische Ökonomie und in den Jahren 1959 bis 1963 Philosophie sowie Mathematik. Zu dieser Zeit veröffentlichte er frühe Gedichte in DDR- Zeitungen. Als er mit Freunden 1961/62 ein altes Ostberliner Hinterhofkino zum «Berliner Arbeiter- und Studententheater» ausbaute, wurde es bereits vor der Premiere geschlossen, ein erstes Auftrittsverbot für den Sänger und Dichter dauerte bis Juni 1963. Im selben Jahr wurde er aus der SED ausgeschlossen. 1976 verweigerte die DDR dem Protestsänger nach einer Tournee durch die Bundesrepublik die Wiedereinreise und bürgerte ihn aus. Biermanns Ausbürgerung löste eine große Protestwelle und einen bis dahin nicht gekannten Exodus von Künstlern in Ostdeutschland aus und wurde später von der SED auch als großer kulturpolitischer Fehler eingestanden.

Die Philosophische Fakultät der Humboldt-Universität würdigt mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde nun Biermanns «Leistung als Künstler, Lyriker und als Philosoph und Theoretiker der Ästhetik». Durch seine Lebensleistung habe Biermann auch erheblich dazu beigetragen, dass die Humboldt-Universität die Freiheit der Forschung und Lehre wieder in Anspruch nehmen dürfe. Im vergangenen Jahr war Biermann bereits Ehrenbürger Berlins geworden. Er plant mit seiner Familie eine Rückkehr von Hamburg in die Hauptstadt, wo er zu DDR-Zeiten in der Chausseestraße an der Ecke Friedrichstraße in unmittelbarer Nähe zum Brecht-Haus wohnte.

WE Kultur

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